von
Wilhelm Rasinger
22.04.2015

Klärung bei den ImmoAG

Kurz vor seinem Abgang in den Ruhestand bewies Immofinanz-Chef Eduard Zehetner, dass er ein beinharter Kämpfer ist, wenn er angegriffen wird und sein Lebenswerk, die Sanierung der Immofinanz, in Gefahr sah. Nicht jede Auseinandersetzung der letzten Wochen konnte erfolgreich abgeschlossen werden, aber letztendlich zählt das Gesamtergebnis: die Gruppierung CA Immo/O1 wurde zweitstärkster Aktionär, aber der Einfluss ist beschränkt.Es ist zu hoffen, dass CA Immo/O1 die eindeutigen Abstimmungsergebnisse akzeptiert und nicht versucht, durch zweifelhafte Klagen bei Gericht zu punkten. Es liegt an der stärksten Aktionärsgruppe Fries mit CA Immo/O1 einen akzeptablen Modus vivendi zu finden und eine Vertretung im Immofinanz-Aufsichtsrat auf der nächsten Hauptversammlung zu ermöglichen.

Die Abwesenheit der CA Immo/O1-Kandidaten Oliver Puhl und Tamara Gutmann auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 17.4. ärgerte viele Streubesitzaktionäre. Ein Sieg der Vernunft und die richtige Reaktion auf die Stimmung bei vielen Aktionären war der Rückzieher betreffend das CA Immo-Kaufangebot. Interessanterweise wurde der IVA vor der Hauptversammlung von CA Immo-Aktionären gebeten, dieses Angebot zu befürworten, damit diese zu 18,50 Euro aus der CA Immo aussteigen können, weil das Angebot vom Herbst 2014 zu ebenfalls 18,50 gekürzt wurde.

Klar abgelehnt werden von der Mehrzahl der Aktionäre gegenseitige Aktienaufkäufe und Machtstrategien. Vorrangig sollen Immobilien ordentlich bewirtschaftet und entwickelt, Erträge erwirtschaftet und daraus Dividenden ausgeschüttet werden. Aktienrückkäufe sind kein Ersatz für Dividenden und auch nur dann sinnvoll, wenn eine krasse Unterbewertung vorliegt. Wieder einmal zeigte sich das Dilemma zwischen Börsekurs und NAV (Net asset value), der sich aus den Bewertungen von Gutachtern errechnet. Das Immofinanz-Management, das ab 1.5.2015 unter neuer Führung steht, muss hart daran arbeiten, dass es richtig war, die gebotenen 2,80 Euro nicht anzunehmen, weil sich der Kurs wegen guter Ergebnisse in Richtung 4 Euro bewegt.

Deutsche Wohnen, der voraussichtlich beste Kernaktionär, den conwert je gehabt hätte, verlor das Auswärtsspiel in Österreich trotz massiver Unterstützung von Hans Peter Haselsteiner wegen mangelnder Flexibilität und Fehleinschätzung der heimischen Befindlichkeiten deutlich. Das Management, welches das Angebot ablehnte, und der Kernaktionär müssen jetzt beweisen, dass sie im Interesse aller Aktionäre den Wert steigern können bzw. durch eine geordnete Liquidation mehr als den NAV lukrieren können.

Für den Kapitalmarkt Wien waren die Auseinandersetzungen der letzten Wochen spannend, lehrreich und ungewohnt, aber im Ergebnis insgesamt ein Zeichen der Stärke.